Einige Kostproben meiner Texte dieses Lyrik- und Prosalesebuches über das Mäuseland Verdumm

Die Welt - mein Zelt

Ich sah diese Welt - und sie gefiel mir nicht
Also wollte ich sie ändern
Und ich rannte mir den Schädel an Mauern ein
Denn ich konnte die Welt nicht ändern
Und sah: Die Welt bestand aus vielen Gesellschaften

Und ich sah unsere Gesellschaft - und sie gefiel mir nicht
Also wollte ich sie ändern
Und ich rannte mir den Schädel an Mauern ein
Denn ich konnte unsere Gesellschaft nicht ändern
Und sah: Unsere Gesellschaft bestand aus vielen Menschen

Ich sah die Menschen - und sie gefielen mir nicht
Also wollte ich sie ändern
Und ich rannte mir den Schädel an Mauern ein
Denn ich konnte die Menschen nicht ändern
Und sah: Ich war einer von ihnen

Ich sah mich - und ich gefiel mir nicht
Also wollte ich mich ändern
Und ich rannte mir den Schädel an Mauern ein
Denn ich konnte mich nicht ändern
Denn ich kannte mich nicht

Also suchte ich mich
Und als ich ein Stück von mir fand
Hatte ich mich verändert
Hatte dadurch die Welt verändert
Denn ich war ein Teil von ihr

***

Die kalte Stadt

Die kalte Stadt sagte, sie sei ertrunken. Denn Yangaia war eine Fremde in dieser Stadt. Fremde können nicht frei schwimmen, in dieser kalten Stadt. Doch Yangaia wurde ertränkt, denn sie war eine Fremde in einer kalten Stadt, in einem kalten Land. Die kalte Stadt scheint nicht gefragt zu haben, warum niemand Yangaia geholfen hatte, wäre es denn ein Ertrinken gewesen. Denn die kalte Stadt sah zu, viele Jahre, und schwieg. Warum kam Yangaia niemand zur Hilfe? Warum schweigt eine ganze Stadt? Nur aus Gleichmut oder eher aus Angst?

Die kalte Stadt, eine der Hochburgen der Neonazis gilt als national befreite Zone. Hier ist der braune Mob längst rachefähig geworden. Bis dahin wurden viele Stufen durchlaufen. Niemand griff ein, in dieser kalten Stadt. Erst waren es Gewinne durch Provokation, dann Räumungsgewinne, wie auch in anderen kalten Städten. Und die Folge waren Raumgewinne. Rechte Gewalt und deren Schläger beherrschen Straßen und Plätze. Und jetzt, am Ende dieser Eskalation? Normalitätsgewinn! Die Adolf Dummdummdumms, der rechte Terror hat sein Ziel erreicht. Er ist geduldet, der braune Mob, im öffentlichen Raum dieser kalten Städte, die zu Angstzonen wurden. Und wer wagt Widerspruch? Niemand!

Doch auch in dieser und in jenen anderen kalten Städten bedarf es des Aufstandes der Anständigen: Jetzt, nicht später! Menschen mit hohem sozialen Ansehen müssen den Schweigenden wieder Mut machen. Die kalten Städte und Plätze müssen zurückgewonnen werden. Laßt uns jetzt beginnen: Hier und überall!

***

Kinder - wie einst wir

Die Westerwieke in Wiesmoor war zugefroren, an diesem 23. Dezember 2000. Lächelnd hörte ich Kinderstimmen auf dem Eis. Im raureifigen Nebel zunächst nur schemenhaft zu erkennen; näherkommend sah ich sie: Da waren sie wieder, diese Rotzlöffel aus meiner Jugendzeit, die aus Bäumen fielen, hinter Mauern lauerten, sich in hohen Wiesen duckten. Sie hatten sich zum Spiel zusammengerottet.

Zwei Mädchen und vier Jungs, so zwischen sieben und zwölf Jahren alt, jagten eislaufend dem Puck hinterher. Aus Brettern selbstgezimmerte Ungetüme stellten die Tore dar, in die es hineinzutreffen galt, mit ihren aus Weidenzweigen geschnitzten, folienbandumwickelten Hockeykellen. Rufen, schreien, anfeuern, die Luft war erfüllt mit den noch bekannten Klängen der Kindheit. Und ich hatte Angst, die in mir aufsteigende Wärme könnte die Eisbahn zerschmelzen. Da war sie, die kindliche Unbekümmertheit, als sie mich wahrnahmen, vielleicht denkend: "Was will denn der Alte hier?", und mir mit ihren rotgefrorenen Rotznasen und frechfunkelnden Augen: "Moin!" zuriefen.

Ich sah ihnen zu, war hierbei der siebente Spieler auf dem Eis und es juckte in meinen Fingern und Beinen. "Los, gib ab, Alter, man, so geht das nicht. Hau ihn rein!", sie fielen mir wieder ein, die Worte von damals, auf unseren zugefrorenen Wiesen. Und der heiße Kakao, den Oma mir abends kochte, wenn ich halb erfroren nach Hause kam. Doch das Glück dieses Augenblickes gefror in meinen Adern und die Hände ballten sich zur Faust. Da war sie wieder, diese Wut.

Sollte diese Gesellschaft auch nur einem dieser Rotznasen, diesen unbekümmerten, freien und glücklichen Kindern, etwas antun, das diese später zu Extremisten formt, dann gehörte sie, diese Gesellschaft, an die Wand gestellt.

Und ich fror, denn ich war in einem kalten Land und ging heim.

***

Konfirmation

Ich wurde evangelisch getauft. Dafür konnte ich nichts, denn ich war klein, damals in der Isenstedter Kirche. Auch fehlt mir die Erinnerung hieran, bis heute. Damit war es aber nicht genug. Nein, die Institution Kirche wollte prägend erziehen, einen Christen aus mir machen. Darum mußten wir, als wir zum Pastor gingen, um die Konfirmation zu erreichen, die Kirche besuchen. Dieses wurde kontrolliert. Denn wir mußten ein Heft abgeben, in dem unsere Anwesenheit abgestempelt wurde. Da es bei Strafe verboten war, nicht anwesend zu sein, nahm ab und zu Dieter mein Heft mit, wenn ich nicht kommen wollte oder umgekehrt, ich seines, um den begehrten Stempel zu erhaschen.

Es war ein lohnenswertes Ziel, die Konfirmation zu erlangen, galt es doch bei Erreichen dieses, erkleckliche Geschenke von Verwandten und Nichtverwandten einzuheimsen. Daneben gab es über drei Jahre einen kirchlichen Unterricht. Auch er und jener nahmen neben mir und anderen daran teil. Er war ein Ausgestoßener, weil er viele Geschwister hatte und arm war. Außerdem konnte er nicht gut lernen, daher konnte er kein Christ werden, denn die älteren Christen, welche die Prüfung abnahmen, ließen ihn durchfallen.

Bei einer dieser Kirchenunterrichtsstunden, anfangs hielt sie der Diakon ab, erzählte dieser uns von der Liebe Jesus zu den Menschen und von der Bergpredigt. Jener war unaufmerksam, bei den diakonischen Erläuterungen der Bergpredigt und fing sich darum vom Diakon eine Ohrfeige ein, damit er sich die Liebe Jesu besser merke.

Am Schluß der Stunde mußten wir einige Groschen abgeben, die meine Kirche für mildtätige Zwecke verwenden wollte. Wer diesen Groschen nicht hatte, wurde aufgeschrieben, damit er ihn beim nächsten Mal nachzahle. Die Erziehung zum Christentum war hart. Ich habe dieses drei Jahre durchgehalten, dann hatte ich es geschafft. Jetzt, sagten sie mir, sei ich ein vollwertiger Christ.

***

Gedanken

Gefangenes Herz. Zuckend im Schrei der verborgenen Wünsche fliegt es dahin. Gleich Krücken in kubistischen Kornfeldern. Blickend aus Fenstern in verwüstete Gärten. Das Mindestangebot an Qualität wurde auf Auktionen versteigert. Die bilderfüllende Sammlung nicht zu erreichen.

***

Deutschland

Deutschland
Ist für mich - wie seine Flagge
Schwarz, wie die vergangene Nacht, dem nach dem
Rot der aufgehenden Sonne das
Gold eines vielleicht erwachenden Frühlings geschenkt wurde

Deutschland
Ist für mich - wie seine Flagge
Schwarz, wie der Tod
Rot, wie das Blut
Gold, wie die zerschmolzenen Zahnfüllungen
der von Deutschland ermordeten Menschen des Holocaust

***

Genug

Und ich nahm noch einmal, für die lange Zeit von 10 Jahren, mein Hirn in beide Hände und steckte mein Herz in die Hosentasche. Da mußte ich manches Mal durch den Reifen springen.

Jetzt soll es damit genug sein.

***

Widerstandsfragmente

Widerstandsfragmente. Die notwendige Bewissung der einzelnen, neu entstehenden Bewußtsein, die ohne Masseerfahrungen leer sind, sollte stattfinden können durch Vernetzung und Austausch der milliardenfach vorhandenen Altbewußtsein.

(Widerstandsfragmentebild 6 v. 8, Sobernheim 1999)

***

Meine Straße

Viele Männer mit grünen und roten Ungetümen, Dampfwalzen genannt, rückten an. Meine Straße wurde geteert. Sie, die ich noch liebevoll in Erinnerung habe, wurde von den allgegenwärtigen Pfützen und Schlaglöchern befreit.

Ich gab ihr, meiner Straße, die letzte Ehre und fuhr mit, in diesen dampfwalzenden Ungetümen. Sie waren befeuert und konnten auch drohend pfeifen mit ihrem heißen Wasserdampf, der sie bewegte.

Mein Mitfahrplatz waren die Kohlenbehälter, sich rechts und links neben den stählernen Hinterwalzen befindend.

Sie, meine Straße, stöhnte unter der Last klebrigen Teers, unter dem Gewicht der Gleichmacherwalzen. Dann schwieg sie. Ich stieg aus und kannte meine Straße nicht mehr. Sie war glatt und schwarz, wie alle anderen. Um sie von diesen zu unterscheiden, gab man ihr nun einen Namen.

Ich hatte meine Straße verloren, jene, die ich kannte, die einzigartige, die mit den Schlaglöchern, Pfützen und Steinen, die sich von allen anderen unterschied. Man nahm mir meine Straße. Ich trug als Trauer auf meinem Körper den schwarzen Staub der Kohlenkästen.

***

Blue Chips

Selbst die beste internationale Vielfalt wird nur dann hoch genug gelobt, wenn der Preis deutlich sinkt. Telefonica dominiert in allen Ländern: Bargeld sucht Asyl.

Der einfachste Weg ist Kopfschuß. Alternativ ersetzt Mc Donald - Seele.

(Sobernheimer Sprechbilder , 3/11, 2000)

***

Schwadronat

Scharping heißt er, der Kriegsminister, der in Talkshows über die Liebe und die Sonnenuntergänge schwadroniert.

Soldaten sterben! Und die in Plutoniumfeldern, durch sichere, nur kollateral schädigende Bomben verursacht, lebende Bevölkerung? Und die Kinder, die dort auf den zerstörten Plutoniumpanzern spielen?

Der über Sonnenauf- und -untergänge, gar über die Liebe Schwadronierende meint, man könne dieses Problem vernachlässigen.

Um Dummheit zu untermauern, werden gerne Ausschüsse unterrichtet und bisweilen Erklärungen verlesen.

***

Wieder mal die Kühe

Die Kühe waren früher Vegetarier und hatten sieben Mägen. Wie viele Mägen sie heute haben, weiß ich nicht, weil der Fortschritt sie jetzt zu Kannibalen machte, die sich selber fressen.

Früher schmeckte ihr Fleisch und ihre Milch nach frischem Gras oder Heu. Heute schmeckt beides nach Kuh, bestenfalls nach Fischmehl. Darum haben wir heute mehr Gewürze.

Mahlzeit!

***

Auszug aus einem Brief an Stephan Krawczyk

Die Christianisierung, verbunden mit all der scheußlichen Gewalt, die immer dann eintritt, wenn die scheinbar bessere Lehre einer scheinbar untergeordneten Lehre mit Gewalt verordnet wird, ist sicherlich ein nicht zu vernachlässigender Teil der heute herrschenden Intoleranz. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß sich im Laufe von Jahrhunderten des jetzt in unseren Gefilden herrschenden Christentums auch unsere Ursprungskultur so verändert hat, daß das Christentum ein Teil davon geworden ist. Dieses völlig und konsequent herauszureißen, hieße nichts anderes, als den gleichen falschen Weg noch einmal zu gehen.

Mir scheint es wichtig, darauf hin zu wirken, das Verständnis dafür zu wecken, den Alleinrichtigkeitsanspruch des Christentums aufzuweichen, in dem wir unsere Ursprungsmythologie, die dem Naturellen näher war, als gleichberechtigten Wert hinzustellen. Das Christentum, das heißt, viele christliche Werte sind hohe Werte, die ich durchaus teile. Nur der Anspruch des Absoluten ist die falsche Botschaft. Wenn die christlichen Werte, wie Nächstenliebe, Friedensforderung, etc., um die guten naturellen Werte unserer Ursprungskultur langsam ergänzt werden, würde durch die normative Kraft des Faktischen eine ganzheitliche Religion entstehen, die viele Probleme lösen hilft. Die Natur und ihre Weisheit in die vorhandenen Religionen einzubeziehen hieße langfristig nämlich, nicht nur als oberstes ethisches Prinzip die Ehrfurcht vor dem Leben im allgemeinen, sondern auch die Ehrfurcht vor dem Leben künftiger Generationen, einzubeziehen.

Und eben die Einbeziehung der Naturweisheiten in alle Religionen und Kulturen wird sich durch die fortschreitende Evolution als unabdingbar erweisen, wenn dieser Kosmos als unsere Ordnung erhalten werden soll. Es heißt nur, jetzt damit zu beginnen. Und hierüber müssen Gespräche mit der Kirche geführt werden. Die Kirche muß ihre verkrusteten Strukturen und Inhalte überdenken, will sie nicht die Existenzberechtigung verlieren. Es macht keinen Sinn, in heutigen aufgeklärten Zeiten die unbefleckte Geburt Christi zu verbreiten, es macht keinen, zu verkünden, daß das Evangelium (oder der Islam oder was auch immer) die alleinige Heilsbotschaft ist. Zuviel Not und Elend, Mord, Folter und Totschlag, kulturelle Entwurzelung usw. wurden der Menschheit für die Durchsetzung der sogenannten Heilsbotschaften der Religionen angetan.

Wie kann ich heute für Frieden auf Erden eintreten, wenn es nur bei der Botschaft bleibt. Die wegbleibenden Gläubigen haben längst erkannt, daß Wunschdenken nicht weiterhilft. Die leeren Kirchen zeigen dieses deutlich auf. Die Menschen in unserer Gesellschaft benötigen dringend eine ganzheitliche Betreuung. Und in die ist die bestehende Ordnung des Kosmos´es einzubeziehen.

Ich bin Christ und gottgläubig. Ich halte viele der von Christus verkündeten Werte für erstrebenswerte Ziele, die gesamtgesellschaftlich wertvoll sind. Die Seele Christi nimmt sicherlich in der kosmischen Ordnung einen herausragenden Platz ein. Und ich habe kein Problem damit, ihn um Rat zu bitten. Was würde der wohl staunen, würde er erneut diese Erde betreten:

Jesus

Würde Jesus heute hier wandeln
Verfolgtet ihr ihn als Revolutionär
Ihr würdet mit ihm nur verhandeln
Mit angeschlagenem Maschinengewehr!

Denn Jesus wäre Jude und Pole
Auch Asylant aus Schwarzafrika
Frieden wäre seine Parole
Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr.

Die Sozialdemokraten
Hätte er beschimpft und verlacht
Weil sie Ideale verraten
Für falsche Macht!

Er nähme den Reichen die Gelder
Ihr hättet ihn vors Gericht gebracht
Jesus bestellte den Armen die Felder
Und ihr hättet ihn umgebracht.

Und den Christdemokraten
Mit dem C vor der Demokratie
Hätte Jesus verraten
Was er hält, von Blasphemie!

Er würde den Papst verklagen
Auch kehren vor eurem Haus
Um euch von der Macht zu verjagen
Und träte aus der Kirche aus.

Er würde fordern die Liebe
Neu gründen Kommune 1
Und wenn er länger hier bliebe
Vielleicht handeln wie Holger Meins?

Er bekämpfte die Grünen
Die antraten mit seinen Werten
Doch für die Macht auf den Bühnen
Der Welt zum Opportunismus umkehrten.

Und Judas´e gäbe es heute viele
Die ihn verrieten für Geld
Nur mit dem einen Ziele
Ein eigenes Stück Macht in der Welt.

Würde Jesus heute hier wandeln
Verfolgtet ihr ihn als Revolutionär
Ihr würdet mit ihm nur verhandeln
Mit angeschlagenem Maschinengewehr!

Käme Jesus von droben
Er wäre roter als rot
Gottlob ist er oben
Sonst schlüget ihr ihn tot!

***

Gott ist für mich das erste Bewußtsein, die erste durch den Urknall entstandene Seele, da ich ihr in Folge ihres Gesamtüberblickes über die fortschreitende Evolution, die höchste Weisheit zumesse. Und ich habe erkannt, daß ein persönliches Wohlbefinden Wunschdenken bleibt, wenn kein positives Gottesbild vorhanden ist. Daher beziehe ich in meinen Glauben die Natur ein. Ich habe kein Problem damit, mich vor der Würde eines alten Baumes zu verneigen. Auch nicht, diesen um Rat und Hilfe zu bitten. Gleiches gilt für die Sonne, die Erde usw..

Ich kann die Alleinseligmachung des Evangeliums nicht nachvollziehen, da sie bedeutet, daß zum Beispiel ein Aborigine, der verantwortungsvoll, liebevoll und aufopfernd für seinen Stamm und seine Familie tätig ist, der mit und in Achtung der Natur lebt, der sanftmütig ist, und der alle weiteren Kriterien des Evangeliums erfüllt, ohne es je gehört zu haben, nur deshalb in der Hölle schmoren muß, weil sein Glauben von einer mythischen Vergangenheit, einer Traumzeit, geprägt ist und nicht von der des Evangeliums.

Die Kirche glaubt an Seelen. Warum nimmt sie sich ihrer nicht an? Warum bringt sie nicht Ordnung in die Familien von Lebenden und Verstorbenen? Warum bezieht sie die Weisheiten der Natur nicht mit in ihre Glaubenslehre ein? Sie gibt freiwillig Boden preis. Dieses wird von der Gesellschaft und insbesondere von den "Mühseligen und Beladenen" durch Abwanderungen zu zweifelhaften Sekten beantwortet. Welche Weisheiten sich aus Gesprächen mit "Göttern der Natur" und aus Gesprächen mit den Seelen unserer Ahnen ergeben, darauf komme ich noch einmal unter dem Abschnitt "Göhrde" zurück.

Die Kirche darf sich nicht verschließen, vor dem, was längst bewiesen ist. Sie muß sich öffnen für Gott. Das heißt, sie muß dringend ihr Gottesbild überarbeiten unter Einbeziehung der vergewaltigten Natur und der vergewaltigten Menschen, die dringend ihren Rat und ihre Hilfe brauchen. Es wird höchste Zeit, nach nunmehr 2000 Jahren, das Neueste Testament zu schreiben.

Dieses Potential aufzuarbeiten, wird unter anderem sicherlich dazu beitragen, daß für viele Menschen endlich ein positives Gottesbild entsteht. Und ich bin sicher, daß Not und Elend, Haß, Gewalt und Intoleranz hierdurch zurückgehen. Es würde viel mehr Zufriedenheit und Glück geben. Und glückliche Menschen haben keine Angst vor Verantwortungsübernahme und Zivilcourage. Außerdem sind diesen Menschen Springerstiefel zu schwer, zumal diese Stiefel verhindern, Boden unter den Füßen zu spüren, den Boden der uns alle tragenden Erde.

Ich will hierzu eine von mir am 17. August 2000 erlebte Geschichte aus der Göhrde erzählen.

***

Die alte Dame und das Glück

Ich hatte mich mit meinem Baum, er heißt "Oasis", eine große alte Birke, bereits trefflich angefreundet. Er versprach mir Schutz und Gesellschaft; ich schenkte ihm täglich etwas Tabak. Bei unseren Umarmungen gaben wir uns gegenseitig Wärme und Kraft. Oasis erlaubte mir, eine Umarmung künstlerisch festzuhalten, wozu ich seinen Stamm mit meinem Bettlaken umwickelte, seine Rindenstrukturen mit Ölkreide auf dieses Tuch übertrug; um danach meinen Körper mit Farbe einzureiben und ihn zu umarmen. Nach Abnahme des Bettlakens waren sowohl Oasis als auch ich mit dem Ergebnis dieses Kunstwerkes zufrieden. Es verblieb jetzt einige Zeit in seinem Schatten, um die Trocknung abzuwarten.

Ich hatte vor einiger Zeit Bekanntschaft mit einer alten Dame geschlossen. Sie fiel mir gleich auf, denn ihr Gesicht war mit wunderschönen Falten durchzogen und von ihrer Gestalt ging etwas majestätisches, etwas sehr würdevolles, aus. Sie erzählte mir, daß ihre Tochter vor vielen Jahren verstorben sei. Dieses habe sie nie überwunden. Sie könne das Grab nicht besuchen und habe seitdem nicht mehr geweint. Allerdings spreche sie mit ihrer Tochter immer dann, wenn sie eine kleine weiße Wolke sehe.

Sie sagte: "Diese kleine weiße Wolke ist dann meine Tochter!" Aber sie sagte auch, daß man sie deshalb verlache und sie darüber sehr traurig sei.

Ich sprach ihr zu, sie solle das sehr wohl so sehen. Ich könne dieses gut nachvollziehen, da, wenn sie mit einer weißen Wolke als ihrer Tochter rede, diese weiße Wolke auch die Seele ihrer Tochter sei. Bei diesem Gesprächsstand mußten wir unterbrechen, da die alte Dame zu einer Ausflugsfahrt abgeholt wurde. Ich ging zu Oasis, begab mich in seinen Schatten und wickelte indianische Gebetsstäbe. So saß ich mit dieser Beschäftigung wohl über viele Stunden und ließ hierbei meinen Gedanken freien Lauf.

Plötzlich hielt ich inne. Ich schaute wie gebannt zu einem großen, sehr alten Stein in meiner Nähe. Es war mir, als fragte er mich: "Was brauchst Du?" Ich dachte an meine Malerei und antwortete ihm: "Ich brauche Farben, Liebe, Weisheit und Glück."

Der weise Stein sprach: "Die Farben hast Du in Dir. Verschenke sie, und Du bekommst Liebe."

Ich fragte ihn weiter: "Und die Weisheit und das Glück?"

Und wieder sprach der weise Stein: "Die Weisheit erfährst Du vom Meer und diese Weisheit gibt Dir das Glück."

Ich gebe zu, daß ich zunächst recht unschlüssig war, ging aber , holte Papier und Ölkreide und fertigte 10 farbige Abriebe von dem weisen Stein. Wieder unter meinem Baum fiel mir ein, daß unsere Künstlergruppe aus 10 Personen bestand, die meine eingerechnet.

Ich dachte: "Oh, das paßt ja gut. Ich verschenke meine Farben, in dem ich neun meiner zehn Farbbilder vom Steinabrieb den neun Gruppenmitgliedern gebe, das zehnte verbleibt dann für mich."

Gesagt, getan. Ich verschenkte also meine Farben. Und ich wurde von den neun Freundinnen und Freunden umarmt und gedrückt. Ich erhielt ihre Wärme, Zuneigung und Liebe, wie vom weisen Stein vorhergesagt. In meiner Freude sah ich, unter Oasis sitzend, eine kleine, weiße Wolke vorüberziehen: Ich sprach mit ihr, daß ich sie von ihrer Mutter grüßen solle, mit der ich unlängst sprach. Es war mir, als würde die Wolke lächeln und mir sagen: "Grüße meine Mutter von mir zurück!"

In diesem Augenblick erschien die alte Dame. Sie hatte ihren Ausflug beendet. Ich hatte ihr Zurückkommen gar nicht bemerkt. Sie schritt auf mich, der unter Oasis sitzend nachdachte, zu, sah das Kunstwerk der Baumumarmung und sprach: "Das erinnert mich an einen starken Speerwerfer!"

Ich sagte: "Nein, das ist...", brach dann ab und sprach erneut zu ihr: "Das ist sehr erstaunlich. Du sagtest, es erinnere Dich an einen starken Speerwerfer! Ich wollte Dich erst berichtigen. Aber Du hast recht. Mein Vorname ist Gerhard und er bedeutet "Starker Speer"." Die alte Dame, die meinen Namen nicht kannte, lächelte und ich wußte: Erst heute hatte ich mir meinen Namen verdient! Und mir war plötzlich klar, daß das zehnte Bild nicht für mich bestimmt war, sondern für die alte Dame. Ich schenkte ihr das Bild und sprach zu ihr: "Für Deine Liebe, die Du mir durch Deine Aufmerksamkeit gewidmet hast. Außerdem habe ich eben mit Deiner Tochter gesprochen, einer kleinen weißen Wolke. Ich grüßte sie von Dir und sie bat mich, Dich ebenfalls zu grüßen."

Die alte Dame sah mich lange an, nahm das Bild und umarmte mich. Und dann hat sie das erste Mal seit dem Tod ihrer Tochter geweint. Die alte Dame ging wortlos ins Haus. Als ich sie am Abend erneut traf, sagte sie mir, daß sie mich lange gesucht habe. Wir unterhielten uns auf der Bank gegenüber meines Baumfreundes Oasis.

Sie erzählte mir von ihrem Leben. Sie erzählte von Casablanca und von Singapur. Sie war zeitlebens Stewardeß auf einem Schiff gewesen und hatte alle Weltmeere bereist. Ich spürte bei ihren Erzählungen ihre Liebe, ihre Weisheit und nahm diese begierig auf. Die alte Dame sagte weiter zu mir: "Es war ein großes Glück, Dich zu treffen. Ich habe viel von Dir gelernt. Ich habe heute mein Glück gefunden. Ich trage es jetzt in mir."

Wieder sah sie mich sehr lange an und sprach: "Ich will Dir etwas schenken." Sie gab mir ihr einziges Andenken an ihre verstorbene Tochter, eine kleine Kette mit Anhänger und sprach weiter zu mir: "Behalte es und achte es. Es ist das Glück. Ich brauche es nicht mehr, denn ich habe es seit heute in mir." Und sie sprach: "Denke immer daran, es bringt kein Glück, es ist das Glück. Du hast es jetzt, halte es fest."

Die alte Dame stand wortlos auf und ging. Ich sah sie nie wieder und ich weiß nicht, wie sie heißt. Sie war am nächsten Tag abgereist. Die Kette mit Anhänger erinnert mich immer dann, wenn ich sie sehe und anfasse, daran, daß die alte Dame mir das Glück geschenkt hat. Die Kette ist nur ein Zeichen. Das Glück trage ich selbst in mir, mir war es nur nie bewußt. Ich dachte an die weisen Worte des Steines: Ich verschenkte Farben und bekam Liebe. Die Weisheit bekam ich über die alte Dame von den Meeren, die sie zeitlebens befuhr. Sie schenkte mir das Glück.

Ich sah den weisen Stein lächeln und spürte in mir das Glück.

***

Tiefe Zärtlichkeit

Ein leiser Hauch streichelt mich, zärtlich wie Mädchenhände. Liebe floß über, und ich ahnte einen Hauch Poesie in der steinigen Welt.

(Lyrische Göhrder Wanderungen, 2000)

***

Geschenk

Ein Sommertag, ein Hauch, ein Flügelschlag. Ein Stein im Gras, Rotwein im Glas. Die Wärme bebt, hab heut gelebt. Er geht nicht fort, der Tag, von mir. Mein leises Lächeln schenk ich Dir.

(Lyrische Göhrder Wanderungen, 2000)

***

Arabien

Arabien. Friede der leeren Mitte. Harmloser Sand bietet schicksalergebend Ziege zum Kauf. Das Leben ist nicht Staat und Gesetz sondern Herkunft und Ansehen. Hirn hört auf Satellitenordnung.

Recht ist der Deal, den Freiheiten besäßen, wenn Moral, in den Größenordnungen der Grundstücke, den Herrschern widerspräche.

Die Hälfte des Landes weiblich. Verwirrung stiften dementierende Nachrichten. Weibliche Fahrten blieben verboten. Notrufsäule nervt Männlichkeit.

(Sobernheimer Sprechbilder , 1/1, 2000)

***

Auskommen

Ich war Soldat. Mein Sold und der meinesgleichen betrug 135 DM im Monat. Soviel, um sich wöchentlich einmal ordentlich zu betrinken.

Wir drehten Zigaretten, verkauften diese und handelten mit Kirschwein. Bei den häufigen Festivitäten der Unteroffiziere ließen wir uns zu Ordonnanzen bestellen, zapften Bier und bedienten diese Herren. Dafür bekamen wir Trinkgeld. Den gemeinsten Schleifern unter ihnen spuckten wir jedesmal ins Glas.

So hatten wir auch als Soldaten unser Auskommen.

***

Oder doch nicht?

Nichtdoch ist doch nicht positiv besetzt. Oder doch?

Nichtdoch!

(Lyrische Göhrder Wanderungen, 2000)

***

Krieg

Krieg ist der unlautere Versuch von politischen Versagern, dieses Versagen durch Krieg zu legitimieren. Somit haben die Grünen, die ich wählte, die sich aus einer Friedensbewegung zur Partei mutierten, vollständig versagt.

Mir stellt sich andauernd die Frage, ob ich deshalb den damals einen Angriffskrieg führenden Kriegsaußenminister Joschka Fischer ein widerliches, intrigantes, opportunistisches Arschloch; wenn ich es denken würde, daß er es sei; öffentlich auch so hätte benennen dürfen.

Oder hätte meine diesbezügliche öffentliche Benennung des einen Angriffskrieg führenden Kriegsaußenministers Joschka Fischer bei diesem möglicherweise einen seelischen Kollateralschaden verursacht, der ihn in die Lage versetzt hätte, mich hierfür zu verklagen, wodurch, wäre ich zu 100 DM Geldbuße verurteilt worden, mir wiederum ein solcher Kollateralschaden entstanden worden wäre?

***

Soldat

Ich war Soldat und sollte einen Fahnenjunker grüßen, der dümmer war als ich. Ich konnte keinen Fahnenjunker grüßen, der dümmer war als ich. Ich war Soldat. Man drohte, mit mir keinen Krieg gewinnen zu können.

Ich war Soldat in der Schule der Nation. Man wollte mich zum Mann formen, einen guten Soldaten aus mir machen. Ich lernte, eine Flasche Schnaps, Genever, in dreißig Minuten auszutrinken, ohne umzufallen. Jetzt war ich ein guter Soldat, ein Mann. Nun wollten sie mit mir einen Krieg gewinnen.

Ich habe keinen Krieg gewonnen.

Ich war Soldat. Ich bewachte eine Grenze, die es nicht mehr gibt. Als es sie nicht mehr gab, vor einem Ort Namens Elend, im Harz, pißte ich auf den Todesstreifen der Grenze, die ich einst bewachte, die es nicht mehr gab. Jetzt fühlte ich mich als guter Soldat und hatte einen Krieg gewonnen.

Ich war Soldat und schrieb Parolen aus Doppelworten. Sie werden gebraucht, damit sich Soldaten erkennen. Heißt die Parole an einem Tag Dummkopf, so rufen die Soldaten auf der einen Seite: "Dumm", die auf der anderen Seite rufen: "Kopf". Hieran erkennen sich Soldaten.

Ich war Soldat und sollte eine Fahne grüßen, die dümmer war als ich. Ich konnte keine Fahne grüßen, die dümmer war als ich.

***

Sein Leben ...

Sein Leben wurde aus dem Holze geschnitzt, aus dem Extremisten gebaut werden. Die Bäume pflanzte die Gesellschaft, in die er hineingeworfen wurde, selbst. Er ist ein Extremist im Denken. Und er ist gut getarnt. Wären seine Ventile nicht andere gewesen, hätte sein Mündungsfeuer auch aus metallenen Gegenständen kommen können.

Ihr tätet gut daran, solltet ihr meinen, diese Gesellschaft wäre es wert, unverändert bestehen zu bleiben, sich nicht notwendigen Änderungen zu unterwerfen, solltet ihr meinen, euch nicht als Teil der Gesellschaft selbst ändern zu müssen, radikal ändern zu müssen, ihr tätet gut daran, dann diesen, ihn, überwachen zu lassen, sein Handeln zu unterbinden. Denn er ist keiner von euch. Sein Handeln und sein Geist trachten danach, euch abzuschaffen, diese Gesellschaft abzuschaffen, diesen Staat abzuschaffen, eure kulturelle Starrheit abzuschaffen und er, derjenige, wird die sich ihm offenbarenden Chancen hierzu nutzen.

Und er versucht jene, deren Leben aus seinem Holze geschnitzt sind, zu versammeln, um euch, die ihr euch tugendsam gebt, die ihr euch gerecht gebt, die ihr euch wissend gebt, die ihr euch demokratisch gebt, die ihr euch weise und milde gebt, um eben euch, abzuschaffen. Hütet euch vor ihm und seinesgleichen, sie, jene vom anderen Ufer, haben die besseren Waffen. Ihre Waffen sind das Wort. Es wird euch nicht reichen, die Bücher jener zu verbieten, nein, ihr müßt die Sprache jener verbieten und die Erzähler zum Schweigen bringen. Überleben könnt ihr nur in einer durch euch stumm gemachten Gesellschaft. Und vergeßt nicht, auch ihr selbst werdet schweigen müssen, endlich schweigen müssen.

Doch hierdurch hättet ihr euch geändert, die Gesellschaft verändert, und jene hätten auch hierdurch gesiegt. Somit seid ihr es, die Verlorenen, die fochten für unmöglichen Sieg. Oh, ihr Verlorenen.

***

Fast zum Abschluß das Gedicht, welches meinem Buch den Namen gab. Es ist ein Fabelgedicht und wird den staunenden Kindern einer entfernten Zukunft erzählt werden, so wie unseren Kindern heute die Fabel vom Hasen und Igel.

Das Mäuseland Verdumm
(Fabelgedicht, erzählt um das Jahr 2911)

In naher Ferne gab´s schon wieder
Ein bitterböses kaltes Land
Ein Mäuseland ohn´ bunte Lieder
Es wurd´ der Staat Verdumm genannt

Es herrschte Adolf Dummdummdumm
Sein Volk konnte nicht lesen
Er machte wieder bumm bumm bumm
Und trug ein teutsches Wesen

Sein Mäusevolk trug blondes Fell
Und gläubig blaue Augen
Und herrschen tat er, wie er will
Nur gläubig blond sollt´ taugen

Für Mäuse, gelb, frechrot und schwarz
Hat´ er nur die Verwendung
Sie kamen vor die Katzentatz:
Ihr Leben sei Verschwendung

Dummdummdumm´s Volk im Land Verdumm
War träge! Ja! Schon wieder!
Kümmerte sich nicht weiter drum
Sang alte Teutschmannslieder

Das Land Verdumm, das war umgeben
Vom Allermäuseländerland
Manch Gast von dort kam schon ums Leben
Manch Weltmaus hat Verdumm verbrannt

Es gab ein Land, im Mausweltnorden
Und Teutschmaus Adolf Dummdummdumm
Und seine Leute ließ man morden
Und niemand fragte sich: "Warum?"

Sie sangen weiter Teutschmannslieder
Das Auge leucht´ teutschgläubig blau
Nur labern hört´ man Für und Wider
Doch niemand stoppt die dumme Sau

Doch Allermäuseländermäuse
Wollten ein buntes Mäuseland
Hauten auf Dummdummdumm´s Gehäuse
Was bei uns wird Gehirn genannt

Verdumm, das Einheitsmäuseland
Wurd´ umbenannt von bunter Maus
In Allermäuseländerland
Und Adolf Dummdummdumm flog raus

Es gab das Mäuseland Verdumm
Ganz ohn´ die vielen bunten Mäuse
Daß es das gab, das war schon dumm
Heut´ sind wir bunten Mäuse weise.

***

Zum Abschluß ein Text über mich:

Der, der ich bin

Ich bin froh darüber
Daß mein Leben
So verlaufen ist
Wie es verlief

Dadurch wurde ich der
Der ich bin

Denn wäre
Mein Leben
Anders verlaufen
Als es verlief

Wäre ich nicht ich
Sondern nur
Irgend jemand

***

Sämtliche Texte © by Gerhard Pollheide

Ende der Leseproben. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Um zur Startseite zurückzukommen, bitte art-opus button anklicken.