2001 zu Gast bei Radio Westfalica

Jutta Hoßfeld sprach mich erneut an, eine Radiosendung zu machen. Es ging um das Phänomen des Rechtsradikalismus. Da sich mein neues Buch "Im Mäuseland Verdumm" ebenfalls auch mit diesem Thema beschäftigt, brachte ich das Manuskript mit. Einfache Lösungen zum Problem des Rechtsradikalismus gibt es nicht. Es ist ein vielschichtiges Problem und tief in den Wurzeln unserer Gesellschaft verankert. Die Gesellschaft, die Kirche, die Politik müssen sich zweifellos Änderungen unterwerfen, um diesem Problem zu Leibe zu rücken.

In einer Gesellschaft, in der als oberstes Ziel Macht, Reichtum und finanzieller Erfolg stehen, gehen Werte verloren. Und diese egoistische Gesellschaft muß sich dessen bewußt werden, daß sie bereit sein muß, sich zu ändern, andere Prioritäten zu setzen, um das Problem von Grund aus zu lösen.

Die Sendung wurde musikalisch durch mich gestaltet, in dem ich von mir ausgesuchte Lieder für die Toleranz mitbrachte, die die Wortbeiträge ergänzten. Mehr über meine Ausführungen finden Sie unter der Leseprobe des Buches "Im Mäuseland Verdumm", die Sie an der gekennzeichneten Stelle anklicken können, welches im September 2001 verlegt wurde. Aber auch scheinbare "Kleinigkeiten" spielen bei den gesellschaftlichen Entwicklungen eine Rolle. Als Beispiel zitierte ich folgendes kleine Prosastück (ebenfalls aus meinem eben genannten Buch) in dieser Sendung.

***

Meine Straße

Viele Männer mit grünen und roten Ungetümen, Dampfwalzen genannt, rückten an. Meine Straße wurde geteert. Sie, die ich noch liebevoll in Erinnerung habe, wurde von den allgegenwärtigen Pfützen und Schlaglöchern befreit.

Ich gab ihr, meiner Straße, die letzte Ehre und fuhr mit, in diesen dampfwalzenden Ungetümen. Sie waren befeuert und konnten auch drohend pfeifen mit ihrem heißen Wasserdampf, der sie bewegte.

Mein Mitfahrplatz waren die Kohlenbehälter, sich rechts und links neben den stählernen Hinterwalzen befindend.

Sie, meine Straße, stöhnte unter der Last klebrigen Teers, unter dem Gewicht der Gleichmacherwalzen. Dann schwieg sie. Ich stieg aus und kannte meine Straße nicht mehr. Sie war glatt und schwarz, wie alle anderen. Um sie von diesen zu unterscheiden, gab man ihr nun einen Namen.

Ich hatte meine Straße verloren, jene, die ich kannte, die einzigartige, die mit den Schlaglöchern, Pfützen und Steinen, die sich von allen anderen unterschied. Man nahm mir meine Straße. Ich trug als Trauer auf meinem Körper den schwarzen Staub der Kohlenkästen.

(© by Gerhard Pollheide)

***

Zurück zur Ausstellung bitte Bild anklicken!

(Bildtitel: "Ikone")

Presse- und sonstige Berichte

Radiosendung von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

***

Gerhard Pollheide
Künstler, Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller
Julius-Brecht-Straße 88, 32312 Lübbecke
Telefon 05741/2723860
E-Mail:gerhard.pollheide@art-opus.de

Zurück zur Startseite, bitte Logo anklicken!